Die Entscheidung für eine zielgerichtete Therpie hängt von den Eigenschaften des metastasierten Brustkrebses ab.
ZIELGERICHTETE THERAPIEN BEIM HORMONREZEPTORPOSITIVEN BRUSTKREBS
Für die zielgerichtete Therapie des hormonrezeptorpositiven, metastasierten Brustkrebses stehen unter anderem diese drei Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Sie werden meistens als Tablette eingenommen.
mTOR-Hemmer und Antihormontherapie
mTOR ist die Abkürzung für „mechanistic target of rapamycin“. Das Enzym mTOR-Kinase beeinflusst bestimmte Signalwege in Krebszellen, die eine wichtige Rolle für deren Wachstum spielen. Wenn der mTOR-Signalweg überaktiv ist, können hormonrezeptorpositive Brustkrebszellen nicht mehr auf eine Antihormontherapie reagieren. Sie werden resistent. mTOR-Hemmer blockieren den mTOR-Signalweg und heben die Resistenz auf, sodass eine Antihormontherapie wieder wirken kann.
PI3K-Hemmer und Antihormontherapie
Bei einigen Patientinnen mit einem hormonrezeptorpositiven Brustkrebs findet man in den Krebszellen Veränderungen des PIK3CA-Gens. Es enthält den Bauplan für das Enzym PI3Kα, das den Aufbau und das Wachstum von Zellen beeinflusst. Durch diese Mutation funktioniert das Enzym PI3Kα fehlerhaft und fördert mit unkontrollierten Wachstumssignalen die Vermehrung von Tumorzellen. PI3K-Hemmer können das fehlerhafte Enzym blockieren und damit das Tumorwachstum stoppen oder verlangsamen.
CDK4/6-Hemmer und Antihormontherapie
Die Abkürzung CDK4/6 steht für die Enzyme zyklinabhängige Kinasen 4 und 6. Diese Enzyme spielen eine wichtige Rolle bei der Zellteilung. In hormonrezeptorpositiven Brustkrebszellen sind sie häufig überaktiv. Dadurch kann es zu einer unkontrollierten Vermehrung von Krebszellen kommen. CDK4/6-Hemmer sind Medikamente, die diese Enzyme gezielt blockieren. Auf diese Weise können sie die Teilung der Krebszellen verlangsamen. CDK4/6-Hemmer werden in Kombination mit einer Antihormontherapie eingesetzt.
Bei bestimmten Formen des metastasierten Brustkrebses kann diese Kombinationstherapie das Fortschreiten der Erkrankung verzögern. Bei ausgewählten Brustkrebsarten im Frühstadium können CDK4/6-Hemmer zusätzlich das Risiko verringern, dass der Krebs nach einer Operation wieder zurückkehrt.
Monoklonale Antikörper
Monoklonale Antikörper sind Eiweißmoleküle, die gezielt an bestimmte Strukturen im Körper binden können – zum Beispiel an Rezeptoren auf der Oberfläche von Zellen. Dadurch können sie gezielt in krankhafte Prozesse eingreifen. Welche Wirkung ein Antikörper hat, hängt vom jeweiligen Medikament und seiner Struktur ab.
Einige monoklonale Antikörper, die bei bestimmten Formen von Brustkrebs eingesetzt werden, blockieren beispielsweise Rezeptoren auf den Krebszellen. Dadurch wird verhindert, dass Wachstumssignale ins Zellinnere weitergeleitet werden. In der Folge kann das Wachstum der Krebszellen gebremst oder gestoppt werden.
Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren:
Bei bestimmten Formen von Brustkrebs kann eine Immuntherapie mit sogenannten Checkpoint‑Inhibitoren eingesetzt werden. Das Immunsystem ist ein fein abgestimmtes Abwehrsystem. Dringen Viren oder Bakterien in den Körper ein, werden sie erkannt, das Immunsystem wird aktiviert und die Eindringlinge mit verschiedenen Mechanismen bekämpft. Ist diese Aufgabe erfüllt, werden die Abwehrreaktionen wieder gebremst, um den Körper zu schützen.
Krebszellen können diesen Mechanismus jedoch ausnutzen: Sie können sich vor dem Immunsystem „verstecken“. Checkpoint‑Inhibitoren setzen genau hier an. Sie können es dem Immunsystem ermöglichen, die Krebszellen wieder zu erkennen und gezielt zu bekämpfen.
Tyrosinkinase-Inhibitoren
Tyrosinkinase‑Inhibitoren (auch Tyrosinkinase‑Hemmer genannt) sind Medikamente, die bestimmte Enzyme aus der Gruppe der Tyrosinkinasen blockieren. Diese Enzyme spielen eine wichtige Rolle bei der Weiterleitung von Wachstumssignalen in Zellen.
Durch die Blockade dieser Enzyme können bestimmte Wachstumssignale unterdrückt werden. Auf diese Weise können Tyrosinkinase‑Inhibitoren das Fortschreiten der Krebserkrankung bremsen oder verhindern.
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate
Diese Medikamente werden auch ADCs genannt (kurz für antibody drug conjugates). Sie stellen eine weitere Behandlungsoption dar, die bei bestimmten Formen von Brustkrebs eingesetzt werden kann. Sie bestehen aus zwei Teilen: einem Antikörperteil, der gezielt an Brustkrebszellen bindet, und einem Chemotherapie-Wirkstoff, der an diesen Antikörper gekoppelt ist. Dadurch gelangt die Chemotherapie gezielter zu den Krebszellen. Sobald das Medikament an der Krebszelle angekommen ist, kann der Chemotherapie-Wirkstoff dort seine Wirkung entfalten und das Wachstum der Krebszellen hemmen.
VEGF-Hemmer beim HER2-negativen Brustkrebs
VEGF steht für „vascular endothelial growth factor“, was in etwa „Wachstumsfaktor für Blutgefäße“ bedeutet. Er spielt eine wichtige Rolle für das Wachstum von Tumoren und Metastasen, denn sie sind auf eigene Blutgefäße angewiesen, wenn sie eine bestimmte Größe erreicht haben. Dazu schütten die Krebszellen den Botenstoff VEGF aus, der an speziellen Bindestellen (VEGF-Rezeptoren) auf der Oberfläche von Blutgefäßzellen bindet und sie damit zur Teilung anregt. In der Folge kommt es zur Angiogenese. Das heißt, es bilden sich neue Blutgefäße, die den Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. VEGF-Hemmer sind unterdrücken diese Angiogenese, weil sie die VEGF-Rezeptoren und damit die Bildung neuer Blutgefäße blockieren. Der Tumor oder die Metastase wird somit „ausgehungert“. Meistens werden VEGF-Hemmer bei Frauen mit einem HER2-negativen metastasierten Brustkrebs in Kombination mit einer Chemotherapie angewendet.
PARP-Hemmer bei erblichem Brustkrebs
PARP-1 und PARP-2 sind Abkürzungen für die Enzyme Poly(ADP-ribose)-Polymerase 1 und 2. Beide können beschädigtes Erbgut (DNA) reparieren. PARP-Hemmer blockieren diese Enzyme, sodass sich in der Krebszelle eine Menge geschädigtes Erbgut anhäuft, woran sie zugrunde geht. Manche Frauen mit einem metastasierten erblichen Brustkrebs können mit PARP-Hemmern behandelt werden.
Referenzen
Österreichische Krebshilfe. Metastasierter Brustkrebs. Stand 07.2024, unter: 2024080_Metastasierter_Brustkrebs___web.pdf (zuletzt abgerufen am 30.4.2026)
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/personalisierte-krebsmedizin.html ( zuletzt abgerufen am 07.04.2026)
Zielgerichtete Therapie gegen Krebs | DKFZ - Krebsinformationsdienst (zuletzt abgerufen am 07.04.2026)
Brustkrebs: Zielgerichtete Therapien und Immuntherapie | DKFZ - Krebsinformationsdienst (zuletzt abgerufen am 07.04.2026)
https://www.krebsinformationsdienst.de/fachkreise/nachrichten/2019/fk10-zulassung-olaparib-lynparza-brustkrebs-brca.php zuletzt abgerufen am 07.04.2026)
„Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Stiftung Deutsche Krebshilfe. Patientinnenleitlinie: Metastasierter Brustkrebs. Stand: 2018, unter: https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Patientenleitlinien/Metastasierter-Brustkrebs_Patientenleitlinie_DeutscheKrebshilfe.pdf (zuletzt abgerufen am 07.04.2026)
Patientenratgeber zu den AGO-Empfehlungen, herausgegeben von Wolfgang Janni und Volkmar Müller, im Namen der Kommission Mamma der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie e.V. (AGO) für Patientinnen, Patienten, Angehörige und Interessierte, Zuckschwerdt Verlag, 2020. Unter: AGO-Ratgeber Brustkrebs Download.indd (zuletzt abgerufen am 07.04.2026)